Vom Mut der Galka Scheyer

Vom Mut der Galka Scheyer: Kunstagentin von Klee, Kandinsky, Feininger und von Jawlensky

Ab dem 23. Februar zeigt das Städtische Museum Braunschweig die großangelegte Ausstellung „Galka Scheyer und die Blaue Vier“ mit einer Fülle von Meisterwerken der weltberühmten Künstler Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Mit ihnen gründete sie 1924 die Künstlergruppe „Blaue Vier“ und vermittelte nach ihrer Emigration in die USA deren Werke dorthin.

Vorgestellt werden in der Ausstellung Galka Scheyers Lebensstationen von Braunschweig bis Hollywood und „bahnbrechende Kunstwerke der Blauen Vier in erzählerischen Themeninseln – von Beschwingt bis Testbild. Anlass für die Ausstellung im Städtischen Museum Braunschweig ist u.a. das 100-jährige Jubiläum der Künstlergruppe im Jahr 2024.“1 Es wird Mitte Februar 2024 eine gleichnamige Publikation erscheinen, herausgegeben von Peter Joch und Bianca Strauß.

Galka Scheyer (1889-1945), Tochter eines jüdischen Konservenfabrikanten, wurde als Emmy Esther Scheyer in Braunschweig geboren. Zunächst war Scheyer als Malerin tätig, später wurde sie Kunstvermittlerin, Sammlerin, Netzwerkerin und Kunstagentin: Es gelang ihr, die Künstler Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger und Alexej von Jawlensky bekannt zu machen.
„Als eine der ersten übte Scheyer das neue Berufsbild der Kunstagentin aus und entwickelte innovative Marketingstrategien. Analog zu den Kunstförderinnen Katherine S. Dreier, Peggy Guggenheim und Hilla von Rebay leistete sie wichtige Pionierarbeit für die Rezeption moderner Kunst in den USA, wo sie bis zu ihrem Tod 1945 in Hollywood lebte.“2

Galka bedeutet „die Dohle“, dieser Name wurde ihr von Alexej von Jawlensky verliehen.
»Es ist lebensbejahend, Pläne zu machen, wird es dann nichts, kommt was anderes. Aber Luftschlösser retten vor dem Untergang, der Mutlosigkeit heißt und Sünde ist«, sagte Galka Scheyer.3

Die Blaue Vier: Sie vermittelte die Arbeiten von Alexej von Jawlensky und den Bauhaus-Visionären Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee in amerikanische Ausstellungen sowie bedeutende Sammlungen und verkaufte deren Werke an Prominente wie John Cage, Walter und Louise Arensberg oder Greta Garbo.
„Der berühmte Architekt Richard Neutra entwarf für sie ein Galeriegebäude in den Hollywood Hills, wo sie lebte und Kunstsammler und die High Society Hollywoods empfing, darunter Marlene Dietrich, Greta Garbo, Fritz Lang und Josef von Sternberg.“4

Wer sich vorab vertiefen möchte:
In seiner kürzlich erschienenen Publikation „Galka Scheyer. Ein Leben für Kunst und Kreativität“ stellt Gilbert Holzgang nach zehn Jahren Forschungsarbeit Galka Scheyers Leben u. a. anhand von Briefen an die Familie und Freunde dar. Sie arbeitete mit Kindern und Jugendlichen, deren Kreativität sie unermüdlich förderte, wie hier aus Auszügen aus Reden und Zeitschriften hervorgeht. In ihren Tagebüchern hielt sie wichtige Gedanken fest über ihre Emanzipation, ihre Krebserkrankung und ihre letzte große Liebe. Auch die Malerinnen und Maler, die in den Anfangsjahren für die junge Künstlerin wichtig waren, werden vorgestellt, u. a. Albert Hamburger, Gustav Lehmann, Elsa Daubert und Käthe Evers aus Braunschweig, sowie Jos Albert, Charles Palmié und Arthur Segal.

Ausstellung:
Galka Scheyer und die Blaue Vier
Städtisches Museum Braunschweig: Haus am Löwenwall
23.02.2024 – 19.05.2024
Eröffnung: 22.02.2024 ab 19 Uhr
Link zum Museum

Publikation:
Galka Scheyer und die Blaue Vier – Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee
Herausgeber: Peter Joch, Bianca Strauß
Hirmer Verlag GmbH, Erscheinungstermin: 15.2.2024
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783777743325
Umfang: 300 Seiten, 230 Abbildungen in Farbe

s. Ernst von Siemens Kunststiftung https://www.ernst-von-siemens-kunststiftung.de/ausstellung/galka-scheyer-und-die-blaue-vier.html ↩︎
Auszug Ausstellungsankündigung https://www.braunschweig.de/kultur/museen/staedtisches-museum/a-vorschau.php ↩︎
In: Holzgang, Gilbert (Hrsg., Autor) „Galka Scheyer. Ein Leben für Kunst und Kreativität.“ November 2023, Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG ; ↩︎
Vgl. Keßler, Katrin (Hrsg.) „GALKA SCHEYER – A Jewish Woman in International Art Business“, 2022, Verlag Imhof, Petersberg (ISBN 978-3-7319-1206-4), beinhaltet die Vorträge, die auf der internationalen Galka Scheyer-Konferenz in Braunschweig, der Stadt ihrer Geburt, im November 2019 gehalten wurden. ↩︎
Beitragsbild: Cover zur Publikation Galka Scheyer und die Blaue Vier – Lyonel Feininger, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee. Herausgeber: Peter Joch, Bianca Strauß, Hirmer Verlag GmbH